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Von Fürsten und Förstern: Fehlerhafte Familienforschung

Wie wichtig es ist, bei der Ahnensuche und -sammlung die  Quellen genau zu prüfen und möglichst  öffentliche Urkunden zu verwenden, zeigt die Erfahrung, die ich bei der Suche nach angeblich adeligen Vorfahren gemacht habe.  

 

Bechyne von Lazan?

Begonnen hat alles mit einem Schreiben des Pfarrers von Ondřejov in Mittelböhmen an meinen Vater vom 15.3.1939. Darin ist von der Adelsfamilie Bechyne von Lazan als Vorfahrensline die Rede.

Die Anfrage meines Vaters erfolgte, da er in der Zeit der Naziherrschaft für seine Heirat einen Ahnenpass erstellen musste. Glücklicherweise bestätigte der Pfarrer die rein arische Herkunft der Familie. Heute wissen wir nämlich, dass die Großmutter der Kindesmutter Marie Bechinie eine Jüdin war. Auch sonst sind einige Mitteilungen des Pfarrers falsch, was weniger seiner bösen Absicht als unrichtigen Informationen und Schlussfolgerungen zuzuschreiben sein dürfte.

Jahrzehntelang hat diese Herkunft in unserer Familie keine Rolle gespielt. 

Scheinbare Bestätigung der adeligen Herkunft

Als ich dann ernsthafter zu suchen begann, stieß ich bald bei myHeritage auf die „Bechinie von Lazan Website“ von Wenzel Gabriel Alexander Bechinie von Lazan. Dort tauchte nicht nur unsere Ur-urgroßmutter als Marie Bechinie von Lazan auf, sondern auch deren angeblich adeligen Vorfahren. 

Damit schien der Hinweis im Schreiben des Pfarrers bestätigt, umso mehr, als weitere gleichlautende Stammbäume veröffentlicht wurden. Es gab zwar auch widersprüchliche Angaben über die Vorfahren; diese führten zu einem anderen Zweig der Adelsfamilie. Die beiden Zweige vereinten sich nach wenigen Generationen wieder.

Mit diesen Angaben konnte ich dann – auf Basis von historischen Quellen – eine weit zurückreichende Ahnenlinie erstellen. Ja sogar König Rudolf von Habsburg kam als  ein direkter Ahne vor.

Erster Hinweis auf mögliche Fehler

Etwas war mir aber in der Zwischenzeit entfallen.  Wenzel Gabriel Alexander Bechinie von Lazan hatte mir schon seinerzeit mitgeteilt, dass die Daten von seinem verstorbenen Vater stammen würden und dieser über unseren Vorfahren Philipp Adam verschiedene Väter in seinen Unterlagen angeführt hatte. Das hatte ich mir zwar auch vermerkt, aber nicht weiter beachtet.

Die Zweifel nehmen zu

Als ich dann viele Jahre später  gezielt nach Vorfahren aus der Familie Bechinie suchte fiel mir auf, dass nirgends ein Adelstitel aufschien und sie fast ausschließlich als Jäger oder Förster tätig waren.

Dadurch wurde jetzt mein Ehrgeiz geweckt und ich wollte es genau wissen. Genauer jedenfalls als alle, die im Internet Daten veröffentlichten, die sie meist ungeprüft voneinander kopiert hatten (wie ich es ursprünglich ja auch getan hatte).  Das ist allerdings leichter gesagt, als getan und blieb bis jetzt leider erfolglos. Mehr dazu erfahren Sie in dem Beitrag über Philipp Adam Bechinie.

Aber so viel kann ich jetzt sicher sagen:

Bechinie war in Böhmen kein seltener Name.  Er kam in allen Schichten der Bevölkerung vor und findet sich auch in der jüdischen Bevölkerung.

Derzeitiger Status

Die neuen Erkenntnisse über den Namen verlangen eine Neubewertung. Die Abstammungslinie zur Bechinie Familie endet im Moment bei Philipp Adam Bechinie. Damit ist die Stammreihe zurück zu König Rudolf von Habsburg nicht nachzuweisen und  muss entfernt werden.  Auch die Verwandtschaft zu Feldmarschall Radetzky (seine Mutter war eine von Bechinie) entfällt. 

Die weitere Suche nach den  Bechinie-Vorfahren in Böhmen wird leider nicht leicht werden.