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Ahnensammler oder doch Ahnenforscher?

Eine persönliche Einschätzung

Ich sehe  mich als Ahnensucher und nicht als Ahnenforscher.  Ich  kann leider nicht den Anspruch auf Fehlerfreiheit erheben. Insbesondere zu Beginn meiner Tätigkeit war das Sammeln von Daten für mich das Wichtigste und ich hatte auch noch nicht die Erfahrung, dass diese oft falsch sein können. Damals wäre eine Überprüfung auch gar nicht so leicht gewesen, weil bei Weitem nicht so viele Archive online waren und man zur Recherche  hinfahren hätte müssen. 

Als Ahnensucher muss ich oft entscheiden, ob ich Ergebnisse, die ich für schlüssig halte, weil zwar Indizien, aber nicht direkte Beweise vorliegen, in meinen Stammbaum aufnehme oder nicht.

Wenn ich die Indizien für ausreichend halte, mache ich das, selbst auf die Gefahr hin, dass ich mich getäuscht habe. In solchen Fällen kann ich zwar in einer Notiz darauf hinweisen, aber auf dem Stammbaum, den die Software anfertigt, scheinen solche Hinweise in der Regel nicht auf.

Ich versuche nach besten Möglichkeiten fehlerfrei zu arbeiten, aber ich räume ein, dass meine Such- und Sammeltätigkeit fehlerbehaftet sein kann und auch ist. Mir ist bewusst, dass meine Ergebnisse nicht immer der Wahrheit entsprechen könnten, und ich bin offen für Korrekturen und Ergänzungen. Das unterscheidet mich von einem Ahnenforscher, der seine Ergebnisse aufgrund eines streng wissenschaftlichen Prozesses verteidigen kann und muss.

Das Leben abseits von Glanz und Ruhm

Schon öfter habe  ich mich  auf dieser Seite auf den Roman “Alte Meister” von Thomas Bernhard bezogen. Ich lese nicht sehr viel und kannte auch dieses Werk nur als Hörbuch. Es geht darum um vielerlei, aber auch um die “Ahnenklauberei”, wie sie dort ziemlich abschätzend genannt wird, deren Faszination  sich aber Reger, die Hauptperson des Romans, doch nicht zur  Gänze entziehen kann.

Reger zeigt in diesem Abschnitt wenig Interesse an seinen berühmten Vorfahren, entwickelt umso mehr  Sympathie für einen Tischlerlehrling, der stolz in einem Brief an seine Eltern mitteilt, dass er Lesen und Schreiben gelernt hat.

Gerade diese kleinen Dinge und persönlichen Geschichten machen den Reiz der Ahnensuche auch meiner Meinung nach aus. Leider ist es schwierig, solche Details des täglichen Lebens in der Ahnenforschung zu finden, da sie  nicht dokumentiert oder im Laufe der Zeit verloren gegangen sind.

Erfolge

Damit komme ich zur Frage, ob und was von solchen kleinen Dingen auch von unseren Vorfahren noch vorhanden ist, oder, was ich gefunden habe. Da wären:

  • Einige Briefe aus dem 19. Jahrhundert sind noch da,
  • das Tagebuch unseres Großvaters aus der Zeit seiner Kriegsgefangenschaft in Italien. 
  • Alte Fotos haben natürlich ihren Reiz, sehr viele zeigen Personen, von denen niemand jemals noch herausbekommen wird, wer sie waren
  • alte Zeitungsartikel über wichtige, tragische und unwichtige Dinge
  • die ganz nebensächliche Erwähnung unseres Vorfahren Friedrich August Pilz, eines kleinen Volksschullehrers in einem böhmischen Dorf, als würdigen Mentor eines später berühmt gewordenen Sängers in der “Encyclopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften oder Universallexikon der Tonkunst”

Fazit

Letztlich ist es egal, wie man das Ganze benennt. Ich betrachte mich eher als Sucher denn als Forscher und wenn ich als Sucher auch noch etwas finde, wäre mir am liebsten “Ahnenfinder”.