Zum Inhalt springen

Das böhmische Dorf

Palmström reist, mit einem Herrn v. Korf,

in ein sogenanntes Böhmisches Dorf.

Unverständlich bleibt ihm alles dort,

von dem ersten bis zum letzten Wort.

Auch v. Korf (der nur des Reimes wegen

ihn begleitet) ist um Rat verlegen.

Doch just dieses macht ihn blaß vor Glück.

Tiefentzückt kehrt unser Freund zurück.

Und er schreibt in seine Wochenchronik:

Wieder ein Erlebnis, voll von Honig!

Christian Morgenstern

Die Frage der Ortsnamen: Deutsch (altösterreichisch) oder tschechisch für unsere böhmischen Vorfahren?

Als meine Großeltern noch vor dem ersten Weltkrieg von Böhmen nach Oberösterreich kamen, waren sie hier und dort Österreicher. Sie hatten im deutschsprachigen Teil Böhmens gelebt, und sie verwendeten deutsche Namen.

Heute ist das Gebiet jedoch tschechisch und die deutschen Ortsnamen werden dort nicht verwendet. Die tschechischen Ortsnamen sind für uns schwer zu identifizieren. Das führt zur Frage, welche Ortsnamen und welches Land ich für diese Vorfahren in meinen Stammbäumen angeben soll. 

Zu diesem Thema lautet die Empfehlung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, insbesondere der Arbeitsgemeinschaft für Kartographische Ortsnamenkunde (AKO), die geographischen Namen in ihrer jeweiligen Sprachform zu verwenden. Dies bedeutet, dass in deutschen Texten die deutsche Namensform, in ungarischen Texten die ungarische, in tschechischen Texten die tschechische usw. verwendet werden sollte. Bei der ersten Erwähnung im Text sollte eine oder zwei weitere geläufige Sprachvarianten in Klammern angegeben werden.

Die häufig verwendete Bezeichnung der Orte mit dem tschechischen Namen unter dem Zusatz „früher … (deutscher Name)“ würde implizieren, dass es den deutschen Namen heute nicht mehr gäbe und den tschechischen Namen früher nicht gegeben hätte. Herr Ofner vom Verein familia Austria bezieht sich darauf und schreibt auch, dass die Nachbarstaaten mit den traditionellen Ortsnamen keine Probleme hätten; in Ödenburg, Raab, Hermannstadt usw. stünden sogar zweisprachige Ortstafeln.

Was sagt der GEDCOM-Standard?

Der GEDCOM-Standard (Genealogical Data Communication) ist ein universelles Dateiformat, das von verschiedenen Genealogie-Softwareprogrammen zur Kommunikation von Stammbaumdaten verwendet wird. Es ermöglicht Forschern, Daten zwischen verschiedenen Programmen einfach auszutauschen, ohne sie manuell eingeben oder konvertieren zu müssen.

Der Standard  legt keine spezifischen Vorgaben für die Verwendung von Ortsnamen fest und ermöglicht die Trennung von Orten durch Kommata. In diesem Sinne ist es egal, welche Namen verwendet werden. Allerdings könnte die Verwendung von alten Ortsnamen zu Verwirrung oder Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit anderen Genealogen führen, insbesondere wenn sie moderne Karten oder Kartensysteme verwenden, die diese alten Namen nicht enthalten.

 

Welche Vorgangsweise wird hier verwendet?

Grundsätzlich verwenden wir die von der Akademie der Wissenschaft empfohlene Vorgangsweise. Bei Verwendung von Stammbaumsoftware stößt diese jedoch auf Grenzen.