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Ahnenforschung in der Literatur

Hier nur ein paar willkürlich ausgewählte Beispiele: 

Die Bibel:

Das ist die Liste der Geschlechterfolge nach Adam: Am Tag, da Gott den Menschen erschuf, machte er ihn Gott ähnlich. Als Mann und Frau erschuf er sie, er segnete sie und nannte sie Mensch an dem Tag, da sie erschaffen wurden.

Adam war hundertdreißig Jahre alt, da zeugte er einen Sohn, der ihm ähnlich war, wie sein Abbild, und nannte ihn Set. Nach der Geburt Sets lebte Adam noch achthundert Jahre und zeugte Söhne und Töchter. Die gesamte Lebenszeit Adams betrug neunhundertdreißig Jahre, dann starb er.

Set war hundertfünf Jahre alt, da zeugte er Enosch. Nach der Geburt des Enosch lebte Set noch achthundertsieben Jahre und zeugte Söhne und Töchter. Die gesamte Lebenszeit Sets betrug neunhundertzwölf Jahre, dann starb er.

Enosch war neunzig Jahre alt, da zeugte er Kenan. Nach der Geburt Kenans lebte Enosch noch achthundertfünfzehn Jahre und zeugte Söhne und Töchter. Die gesamte Lebenszeit des Enosch betrug neunhundertfünf Jahre, dann starb er.

Kenan war siebzig Jahre alt, da zeugte er Mahalalel. Nach der Geburt Mahalalels lebte Kenan noch achthundertvierzig Jahre und zeugte Söhne und Töchter. Die gesamte Lebenszeit Kenans betrug neunhundertzehn Jahre, dann starb er.

Mahalalel war fünfundsechzig Jahre alt, da zeugte er Jered.

Genesis 5,1-15 

Die Bibel bietet eine Fülle von genealogischen Informationen. In dem oben zum Teil zitierten Stammbaum geht es um die Ahnenfolge von Adam bis Noah. 

Es gibt im Alten Testament weitere Genealogien, die die Abstammung wichtiger biblischer Figuren wie Abraham, Isaak und Jakob darstellen.

In den Evangelien nach Matthäus und Lukas finden wir die Stammbäume Jesu, die seine Abstammung von König David aufzeigen. Es ist tröstlich, dass diese Stammbäume nicht identisch sind, was zeigt, dass auch die Bibel menschliche Fehler und Widersprüche enthält.

Die Bibel warnt aber auch davor, sich zu sehr auf die Erforschung der Genealogie zu konzentrieren, da dies vom geistlichen Wachstum und der Entwicklung des Glaubens ablenken kann (1. Timotheus 1:4; 2. Timotheus 2:14-16). Der Apostel Paulus warnt in Titus 3:9 vor “unnützen Geschlechtsregistern”,  die zu Streit und Spaltungen führen können.

Roots von Alex Haley

“Wurzeln” (Originaltitel: “Roots: The Saga of an American Family”) ist ein historischer Roman des amerikanischen Autors Alex Haley, der 1976 veröffentlicht wurde. Das Buch erzählt die Geschichte von Kunta Kinte, einem jungen Mann, der im 18. Jahrhundert aus Gambia, Westafrika, verschleppt und als Sklave in die Vereinigten Staaten gebracht wurde. Haley verfolgt die Geschichte von Kunta Kinte und seinen Nachkommen über mehrere Generationen bis hin zu seinen eigenen Vorfahren im 20. Jahrhundert.

Die Handlung beginnt in Westafrika, wo der junge Kunta Kinte ein normales Leben in seinem Dorf führt, bis er eines Tages von Sklavenhändlern gefangen genommen wird. Nach einer brutalen Überfahrt über den Atlantik, auf der viele Sklaven unter schrecklichen Bedingungen leiden und sterben, wird Kunta Kinte in Amerika verkauft und gezwungen, auf einer Plantage in Virginia zu arbeiten.

Im Laufe des Romans wird die Geschichte von Kunta Kinte und seinen Nachkommen erzählt, darunter seine Tochter Kizzy, sein Enkelsohn Chicken George und sein Ur-Ur-Enkel Tom. Jede Generation kämpft mit den Widrigkeiten der Sklaverei und später mit den Herausforderungen der Reconstruction-Ära und der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten.

Alex Haley verbrachte mehr als ein Jahrzehnt mit der Erforschung seiner eigenen Familiengeschichte, um diesen Roman zu schreiben. Er reiste nach Afrika, um die Ursprünge seiner Vorfahren zu erforschen, und nutzte historische Dokumente, mündliche Überlieferungen und genealogische Aufzeichnungen, um die Geschichte seiner Familie über die Jahrhunderte hinweg nachzuverfolgen. “Wurzeln” war für viele Menschen eine Offenbarung und inspirierte sie dazu, ihre eigene Familiengeschichte zu erforschen und sich mit ihrer kulturellen Identität auseinanderzusetzen.

“Wurzeln” wurde sowohl von Kritikern als auch vom Publikum hoch gelobt und erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Pulitzer-Preis für Belletristik im Jahr 1977. Das Buch wurde zu einem internationalen Bestseller und trug wesentlich dazu bei, das öffentliche Bewusstsein für die Geschichte der Sklaverei in den Vereinigten Staaten und die Auswirkungen auf die afroamerikanische Gemeinschaft zu schärfen. 1977 wurde “Wurzeln” als Miniserie für das Fernsehen adaptiert und erreichte ein Millionenpublikum, was die Bedeutung des Werks weiter unterstrich.

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Alte Meister von Thomas Bernhard

In Thomas Bernhards Roman “Alte Meister” setzt sich die Hauptfigur Reger mit seiner Familiengeschichte und seinen Vorfahren auseinander.

Reger erwähnt  den Stolz, den seine Eltern über die Verwandtschaft mit berühmten Persönlichkeiten wie Martin Heidegger, Anton Bruckner und Adalbert Stifter hatten, aber die Verwandtschaft mit einem Doppelmörder verschwiegen. Im Folgenden ein kurzer Auszug:

Die Leute graben ihre Vorfahren aus und wühlen und wühlen in ihrem Ahnenhaufen, bis sie alles durchwühlt haben und erst recht unzufrieden und dadurch doppelt vor den Kopf gestoßen und verzweifelt sind, sagte er. Ich bin niemals ein sogenannter Ahnenwühler gewesen, dazu fehlt mir jede Voraussetzung, aber nach und nach stellen sich selbst einem Menschen wie mir aufeinmal die merkwürdigsten Exemplare von Ahnen in den Weg, diesem Umstand entkommt kein Mensch, er mag sich noch so sträuben gegen diese sogenannte Ahnenausgrabung, er gräbt und gräbt. Alles in allem bin ich aus einer durchaus interessanten Mischung, sozusagen ein Querschnitt durch alles bin ich. Weniger als ich weiß, zu wissen, wäre in dieser Beziehung immer besser gewesen, aber das Alter bringt eben vieles ans Tageslicht, ungerufen, sagte er. Am liebsten habe ich den Tischlerlehrling, der 1848 auf Cattaro Lesen und Schreiben gelernt hat und das in einem Brief stolz seinen Eltern in Linz mitgeteilt hat, sagte er. Dieser Tischlerlehrling aus der Mutterseite war auf der Festung Cattaro, dem heutigen Kotor, als Kanonier stationiert gewesen und ich besitze noch diesen Brief, den er, wie gesagt wird, achtzehnjährig freudestrahlend seinen Eltern aus Cattaro nach Linz geschrieben hat und auf welchem von der amtlichen kaiserlichen Post vermerkt ist, daß sein Inhalt bedenklich sei. Wir sind alles aus unseren Vorfahren, sagte Reger, alles zusammen und dazu noch das Eigene.